Renaturierung der Selb - zurück zum Ursprung

Durch menschlichen Einfluss wandelte sich im Laufe der Zeit das Antlitz des Selbbaches im Selber Stadtgebiet von einem natürlichen Bachlauf hin zu einem funktionalen Vorfluter.

Dieser sollte durch geraden Lauf, eingezwängt von Mauern und Bebauung mit durchgehend gepflasterter Sohle, Abwässer aus Haushalt, Industrie und Gewerbe sowie Hochwässer möglichst schnell abtransportieren.

Das Gewässer als Lebensraum für Tier und Pflanze sowie als Ort der Erholung für den Menschen blieb dabei auf der Strecke. Das soll nun wieder anders werden.

Abschnitte des Gewässers werden ihren tierischen und pflanzlichen Bewohnern sowie den Bürgerinnen und Bürgern in einer möglichst ursprünglichen Form zurückgegeben. Dies entspricht auch den Zielen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die für die Gewässer einen guten Zustand fordert.

Dazu wird u. a. entlang des Papiermühlweges auf einer Länge von ca. 600 m ein naturnaher gewundener Gewässerlauf angelegt, der sich am historischen Verlauf des Baches orientiert. Dabei wurde das Pflaster entfernt und das natürlich vorhandene, kiesig - sandige Sohlsubstrat freigelegt.

Ca. 10.000 t oder ca. 670 Lkw-Ladungen Erdmaterial mussten dafür bislang abtransportiert werden. In Spitzenzeiten waren die Lkws bis zu 40mal am Tag unterwegs. Im Sinne der Nachhaltigkeit konnte der Boden im Stadtgebiet von Selb wiederverwendet werden.

Durch zusätzlichen Einbau von Totholz und Steinblöcken werden für die Lebewesen im Wasser Verstecke, Laich- und Kinderstuben geschaffen. Im Umfeld wird eine auentypische Vegetation angelegt, die sich selbst weiter entwickeln kann.

An der Selb bei Papiermühlweg und Mühlenstraße entstehen großzügig gestaltete Naturerlebnisräume mit großen Granitblöcken, flachen Kiesstränden, Lesesteinwegen und Sitzstämmen, die zum Spielen, Entdecken und Verweilen einladen.

Auch in den beengten Abschnitten bei Rathaus und Theater wurde die Selb strukturell aufgewertet. Hier sind die Arbeiten bereits abgeschlossen. Beton und Pflaster wurden entfernt und durch Naturstein ersetzt. Die Steine wurden so gesetzt, dass Sie unterschiedliche Strömungsverhältnisse erzeugen und als Verstecke dienen können. Die ursprünglich starre Linienführung ist nun leicht geschwungen. Beim Theater wurde ein ca. 80 cm hoher Absturz, so umgebaut, dass er für die Wasserlebewesen kein unpassierbares Wanderhindernis mehr darstellt.

Für all diese Maßnahmen investiert der Freistaat Bayern mehr als 1 Mio. €.

Der Abschluss der Arbeiten ist für Mitte 2021 geplant. Danach kann sich die Natur weiter selbst entfalten und erlebt werden.

Damit sind die Maßnahmen rechtzeitig vor den Feierlichkeiten anlässlich der bayerisch-tschechischen Freundschaftswochen 2023 abgeschlossen.

Absturz im Frühjahr 2020 Bild vergrössern Absturz im Frühjahr 2020
Winteridyll 2021 Bild vergrössern Winteridyll 2021 - im Oktober 2020 fertig gestellter Abschnitt oberhalb vom Theater
Gewässersohle aus Kies und Sand Bild vergrössern Neue "alte" Gewässersohle aus Kies und Sand
monotone Gewässerlauf entlang des Papiermühlweges Bild vergrössern Der monotone Gewässerlauf entlang des Papiermühlweges gehört inzwischen der Vergangenheit an